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Das erste Kastenfenster (Teil 1)

Tilman, 13. Mai 2019, 11:43 Uhr

Bereits vor über einem Jahr habe ich angefangen, die Sanierung der Fenster zu planen. Die alten Holzfenster sind teilweise in traurigem Zustand, sollen aber erhalten bleiben. Um sie energetisch zu verbessern, werden sie im Zuge der Sanierung zu Kastenfenstern umgebaut.

Die insgesamt 17 Fenster haben zwei Flügel und ein kippbares Oberlicht. Die gleiche Anordnung beim inneren Kastenfenster ist zwar machbar, wenn man den Kämpfer (Querbalken, an dem das Oberlicht angeschlagen ist) aushängbar macht, doch wäre das viel technischer Aufwand. Überdies erschien uns diese Lösung als unpraktisch, denn um an das äußere Oberlicht heranzukommen, müsste man das innere erst aushängen. Die komfortabelste und auch optisch ansprechendste Lösung war daher, innen zwei Flügel bis oben hin zu fertigen und ihnen in Höhe des Kämpfers eine breite Sprosse einzufügen.

Foto vergrößernFoto vergrößernLinks: Die inneren Flügel mit nach unten versetzter Fensterolive.

Rechts: Entgegen der Grafik passt die untere Ringschraube nicht mehr an diese Stelle. Die Schubstange des äußeren Fenstergetriebes muss daher in ein Schlossblech im Kastenrahmen greifen.


Einen alten Rahmen mit Oberlicht und einem Flügel habe ich in der Tenne gefunden. Dieser wurde zuerst entlackt und grob geschliffen. Offensichtlich wurde er schon vor langer Zeit ausgebaut, denn das Holz war noch in sehr gutem Zustand. Den Kasten habe ich nach dem Vorbild eines alten Kastenfensters von unseren Nachbarn gebaut. Alle Einzelteile wurden mit Nut und Feder zusammengefügt. Während das Original nur genagelt ist, habe ich jedoch zu Leim gegriffen, um den Kastenrahmen gegen Zugluft abzudichten.

Foto vergrößernFoto vergrößernLinks: Der entlackte Fensterrahmen. Interessanterweise ist bei diesem Rahmen die Sohlenbank aus Eiche, während sie bei fast allen anderen Rahmen aus Fichte besteht.

Rechts: Der aufgesetzte Kastenrahmen, einbaufertig verleimt.


Als Vorlage für die inneren Flügel haben mir die äußeren gedient. Ich habe ungefähr zehn Fenster komplett vermessen, um auf verlässliche Mittelwerte zu kommen. Die Profile von inneren und äußeren Flügeln werden bis auf den Wetterschenkel unten identisch sein. Dieser ist bei den inneren Flügeln nicht nötig.

Ein weiterer Vorteil an den identischen Profilen und Verzapfungen ist, dass ich Übung in der Fertigungstechnik bekomme, denn an einigen alten Fenstern sind Teile nachzufertigen und auszutauschen. Um wirklich identische Profile fertigen zu können, habe ich mir sogar zwei Fräser anfertigen lassen. Die Fasen zur Scheibe hin haben einen Winkel von ungefähr 35 Grad (8/12 Millimeter). Diese könnte ich zwar noch mit der Tischkreissäge herstellen, doch an der Verzapfung muss eine negative Fase passend angebracht werden und bei 17 Fenstern habe ich keine Lust auf die zeitraubende Handarbeit mit dem Stechbeitel. Also habe ich einen Fasefräser mit 35 Grad und einen Schwalbenschwanzfräser mit gleichem Winkel anfertigen lassen.

Foto vergrößernFoto vergrößernLinks: Die grob gefertigten Fensterflügel, noch ohne Dichtfalz.

Rechts: Durch die Fase fügen sich die beiden Profile perfekt zusammen. Eine Ausklinkung mit geradem Stoß an der Stelle wäre nur mit viel mehr Mühe so sauber zu fertigen.


Trotzdem ich das Fenster zuvor im 3D CAD erstellt hatte, haben sich beim Bau noch ein paar kleine Fehler gezeigt. So hatte ich erst rundum den Kasten einen gleich breiten Rahmen, bis mir auffiel, dass ich oben mehr Platz brauche, um die Flügel auch ein- und aushängen zu können.

Weiterhin ist mir bei den horizontalen Flügelprofilen ein kleiner Fehler unterlaufen: Ich hatte für die Ausklinkung die Breite des senkrechten Profils genommen und dabei nicht bedacht, dass die Falze, in denen später die Scheiben sitzen, vorher gefräst werden. An dieser Stelle fehlte mir nun ein 8 Millimeter breiter Streifen, den ich mit einem passenden Holzstück flicken musste.

Foto vergrößernFoto vergrößernLinks: Mit einem kleinen Holzstück musste der durchgehende Falz wieder verschlossen werden.

Rechts: Beim Kastenrahmen hatte ich an einer Stelle nicht aufgepasst und die Ausklinkung für den Falz von der falschen Seite abgemessen.


Die Flügel bekommen zwar noch eine Dichtlippe, dichten aber so schon erstaunlich gut ab. Der Hauptgrund wird darin liegen, dass bei den alten Fenstern der Dichtungsfalz gesägt wurde, während ich erst nach dem Zusammenfügen den gesamten Flügel auf dem Frästisch fase. Dadurch ergibt sich eine absolut plane Dichtfläche.

Im nächsten Schritt werde ich den fehlenden Außenflügel ergänzen und die aufgearbeiteten Beschläge des Außenfensters anbringen. Für das Innenfenster müssen noch Beschläge gekauft werden. Hierfür habe ich einen Händler gefunden, der Tür- und Fensterbeschläge nach altem Vorbild fertigt. Und zu unserem Glück nicht nur elegant verzierte Messingbeschläge für Gründerzeit-Villen, sondern auch ganz einfache Eisenbeschläge, die stilgerecht zu den bereits vorhandenen Beschlägen passen.

Foto vergrößernFoto vergrößernLinks: Die Leiste auf dem rechten Flügel trägt später das Fenstergetriebe.

Rechts: Das fertige Kastenfenster wartet auf den Feinschliff, wird anschließend geölt und erhält seine Beschläge.

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Kommentar von HaeN am 14. Mai 2019, 22:15 Uhr:

Der alte Rahmen ist in der Tenne gelandet, als man die Poststelle in Parterre eingerichtet hat! Bin so sicher, als ob ich dabei gewesen wäre :-P

Womit wird das Holz noch behandelt? Öl? Innen ist klar, aber auf der Außenseite auch?

Frohes Schaffen :-)

Antwort von Tilman am 14. Mai 2019, 22:30 Uhr:

Das könnte sein. Es könnte aber auch ebenso gut das Fenster aus dem Flur im OG über der Haustür sein. Ich hab keine Ahnung, warum man das damals ausgetauscht hat.

Erstmal werden alle Fenster nur geölt. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ist aber die Mehrzahl der alten Fenster von außen nicht mehr schön genug, um sie im Natur-Look zu belassen. In dem Fall kommt dann ein deckender Anstrich mit Leinölfarbe drauf. Aktuell will ich nur noch alle Optionen unter den Naturölprodukten offen halten.

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