Kellersanierung

Tilman, 20. Dezember 2018, 21:55 Uhr
Themen: Baustoffe | Elektrik | Mauerwerk

Die erste Aufgabe im Keller war, den alten Putz von den Wänden zu holen. Da er wie ein Schwamm mit Feuchtigkeit vollgesogen war und eher die Konsistenz von frisch aufgezogenem Putz hatte, war hier nicht viel Widerstand zu erwarten. Dass es dennoch in einer Schufterei ausartet, hatten wir zu diesem Zeitpunkt nicht gedacht.

Foto vergrößernFoto vergrößernDer alte Putz: Nass, fleckig und an vielen Stellen schon am bröckeln. Das Ziel ist erstmal, die Backsteine so gut es geht vom alten Putz zu befreien und dann anhand der vorgefundenen Situation zu beurteilen, was mit den Kellerwänden weiter geschieht.

Für den Putz selber hätte es nicht einmal die Hilti gebraucht. Ein etwas soliderer Spachtel hätte es genauso gut getan. Allerdings haben wir überall an den Wänden mehr oder weniger dicke Batzen steinharten Zementmörtel mit 4/16er Kies unter dem Putz gefunden. Ob dieser nur als schlecht verteilter Vorspritz gedacht war oder ob man nicht wusste, wohin mit dem übrig gebliebenen Mauermörtel, ließ sich nicht wirklich feststellen.

Foto vergrößernFoto vergrößernNach einem Wochenende sieht das Zwischenergebnis schon vielversprechend aus. Die vormals flächig nasse Wand trocknet stellenweise binnen eines halben Tags oberflächlich ab. Nach ein paar Tagen gibt es mehr trockene, als feuchte Stellen.

Fakt ist jedoch: Das Zeug ist extrem hart und klebt extrem gut auf den Feldbrandsteinen. Am schlimmsten war die Trennwand zwischen den beiden Kellerräumen betroffen: Die eine Seite war schön gleichmäßig gemauert, doch da die Steine ziemlich unregelmäßige Formen haben, sah die Rückseite wie Kraut und Rüben aus. Um daraus eine halbwegs ebene Fläche zu machen, hat man bis zu 4 Zentimeter stark Zementmörtel aufgetragen. Nachdem wir das festgestellt hatten, war das Kind jedoch auch schon in den Brunnen gefallen und das Zeug musste, so gut es geht, runter. Das war mal wieder so ein Tag, wo man feststellt, dass eine kleine Hilti nicht ausreicht.

Foto vergrößernFoto vergrößernZu diesem Zeitpunkt steht schon fest, dass an den Fugen aus technischer Sicht nichts gemacht werden muss. Der damals verwendete Mörtel ist auch nach über 100 Jahren Feuchtigkeit noch völlig intakt und steinhart. Eigentlich viel zu hart für die ungleichmäßig gebrannten Steine.

Nachdem die Wände so gut es geht von Putz und Mauermörtel befreit waren, stellte sich die Frage, wie man die Backsteine am besten reinigt. Mit der Bohrmaschine und Drahtbürstenaufsatz ging es zwar sehr gut, doch der Staub hatte sich in kürzester Zeit trotz geschlossener Kellertür in allen Stockwerken wie eine Decke über alles gelegt.

Eine Möglichkeit wäre gewesen, die Wände vorher nochmal anzufeuchten, damit die Staubentwicklung geringer wird. Doch dann habe ich mich für die radikale Lösung entschieden: Der Keller ist unzählige Male teils bis an die Decke abgesoffen. Wenn man Backsteinfassaden von außen mit einem Hochdruckreiniger behandeln kann, kann man das hier erst recht machen. Und es ging noch viel besser, als erhofft: Mit der Fräslanze kamen sämtliche Putzreste runter, während der Mörtel nicht im geringsten angegriffen wurde.

Foto vergrößernFoto vergrößernBeim Hochdruckreinigen musste zwischendurch ein paar Mal der Sickerschacht ausgeschöpft werden, da er bis zum Rand voll war, doch mit weniger Aufwand hätten wir die Backsteine sicher nicht sauber gekriegt. Insgesamt kamen noch unglaubliche 14 Eimer Putzreste von den Wänden runter.

Der frisch geduschte Keller sieht schon ganz anders aus: Ein wenig rustikal aber sauber und staubfrei. Kein Krümel löst sich mehr von den Wänden, wenn man mit der Hand drüber fährt. Es ist zwar immer noch etwas viel von dem Vorspritz auf den Wänden, doch da das Zeug dermaßen fest ist, werden wir es so belassen. Letztendlich ist es ein Keller und keiner von uns ist gewillt, hier Tage oder Wochen damit zu verbringen, das Zeug von der Wand zu holen. Die nächsten Tage darf der Keller aber erstmal in Ruhe trocknen.

Foto vergrößernFoto vergrößernEinige Fugen sind doch ziemlich tief. Statisch ist das zwar unbedenklich, doch ist zu befürchten, dass sich in kürzester Zeit Spinnen über die herrlichen Spalten freuen und dort ihr neues Zuhause einrichten. Daher sollen zumindest die gröbsten Fugen neu verfugt werden.

Zwischenzeitlich ist auch die Elektrik eingetroffen. Im Keller so wie im Dachboden bleibt nur eine Aufputz-Installation. Mittlerweile gibt es einige Anbieter, die alte Bakelit- und Keramikschalter und -dosen wieder aufleben lassen. Allerdings zu nicht gerade moderaten Preisen. Nach einiger Suche habe ich jedoch Händler gefunden, die aus irgendwelchen Lagerauflösungen noch ungebrauchte Altbestände verkaufen.

Diese alten Bakelit-Dosen sind größtenteils aus der ehemaligen DDR, was allerdings technisch nichts zu bedeuten hat. Von der Qualität kann sich jede heutige Baumarkt-Aufputzdose eine Scheibe davon abschneiden. Wie sich nach dem Inspizieren der Teile herausstellt, verlieren die Steckdosen nicht einmal bei geöffneter Klappe ihre Schutzklasse, da sie zum Inneren hin hermetisch abgedichtet sind. Einzig den alten Gummi-Quetschdichtungen würde ich nach so vielen Jahrzehnten nicht mehr trauen. Müssten die Dosen wirklich dicht sein, sollten die Dichtungen ausgetauscht werden.

Foto vergrößernFoto vergrößernFeuchtraum-Aufputzdosen, ein Drehschalter für das Licht, zwei Glaskolbenlampen mit Porzellansockel und ein ganzer Karton voller Bakelit-Kabelschellen. So toll das Zeug in montiertem Zustand aussieht, soviel Zeit braucht die Installation.

Wie alle hölzernen Bauteile wurde auch die Kellertreppe aufgearbeitet. Das Zerlegen war nach wenigen Minuten erledigt, da die Treppe bereits von selber zerfiel. Nach dem Entlacken zeigte sich erst, wie verrottet die an der Wand anliegende Wange war: Die untersten 10 Zentimeter fehlten völlig und bis in über 50 Zentimeter Höhe war das Holz morsch.

Die defekte Wange habe ich auf der CNC-Fräse von allem schlechten Holz befreit. Dazu wurde sie in drei Ebenen von je 2 Zentimeter Stärke bis ins gesunde Holz runter gefräst. Anschließend wurden die Ebenen mit drei neuen Brettern wieder aufgebaut. Die intakte Wange diente als Schablone, um unten wieder die korrekte Form auszusägen.

Foto vergrößernFoto vergrößernDamit die Treppe besser vor permanenter Feuchtigkeit geschützt ist, wurde sie nun eine Handbreit von der Wand weggerückt. Zudem stehen die Wangen nun nicht mehr direkt auf dem Boden, sondern ruhen in zwei einbetonierten Pfostenträgern.

Ein kleiner Makel fiel mir erst auf, nachdem die Treppe wieder eingebaut war: Die Stufen fallen alle leicht nach vorne ab, die Treppe steht also zu steil. Da sie unten exakt am gleichen Fleck steht und oben an der Wand anliegt, muss sie vorher, als der Putz noch auf der Wand war, sogar noch ein Stück steiler gestanden haben. Das ist keinem von uns je aufgefallen, stört also auch nicht.

Kommentar schreiben

Es liegen derzeit noch keine Kommentare zu diesem Artikel vor.


Neuen Kommentar schreiben

oder zum Antworten oben auf das Symbol hinter einem Kommentar klicken


Diese Seite verwendet folgende Cookies:
1) Cookie mit 30 Tagen Gültigkeit, damit Sie als Leser eines Artikels nicht mehrfach gezählt werden
2) Cookie mit Gültigkeit für die Sitzungsdauer, damit Sie diesen Hinweis nur ein Mal weg klicken müssen
Erfahren Sie mehr über unseren Datenschutz