Neuer alter Dielenboden

Tilman, 25. Juni 2018, 20:42 Uhr
Themen: Baustoffe | Böden | Heizung

Nachdem die Deckenheizung im Erdgeschoss verlegt ist, wird es höchste Zeit, wieder einen begehbaren Flurboden im ersten Stock zu haben. So langsam geht uns nämlich der Red Bull aus.

Der Boden stellte uns vor diverse Herausforderungen. Zuerst mussten die knapp 8 Zentimeter großen Bohrungen, durch die die Heizrohre der Deckenheizung durchgeführt wurden, wieder verschlossen werden. Die mussten so dicht sein, dass später keine Schüttung durchrieselt. Beim Verlegen hatten wir die Heizrohre schon in den Bereichen, wo sie durch die Decke laufen, mit einer einfachen Isolierung ummantelt. Diese hilft nun, das Rohr gegen die angefertigten Manschetten besser abzudichten.

Foto vergrößernFoto vergrößernFoto vergrößern

Dank der CNC-Fräse waren die Manschetten schnell hergestellt. 5 Minuten Zeichenarbeit am PC, danach zwei Sperrholzplatten auf die Fräse aufgespannt und nach weiteren 5 Minuten hatte ich 30 einbaufertige Manschetten. Der keilförmige Ausschnitt klemmt das isolierte Rohr fest ein und dichtet es zuverlässig ab.

Die Balken haben wir um 3 Zentimeter aufgestockt. Dies hat gleich mehrere Gründe: Zum einen sind die Türschwellen mit fast 6 Zentimetern extrem hoch. 2-3 Zentimeter reichen völlig aus. Zum anderen verlaufen die Heizrohre von einem Feld ins nächste über die Balken und ich wollte ungerne Nuten in die Balken fräsen. Als Nebeneffekt haben wir trotz der hoch gesetzten Decke dadurch noch eine ordentliche Schüttungshöhe von knapp 10 Zentimetern. Nicht zuletzt dient die Aufstockung auch der Egalisierung unterschiedlicher Balkenhöhen. Die alten Balken mit unzähligen abgerissenen Nagelresten hätte ich ungerne mit dem Hobel bearbeitet.

Foto vergrößernFoto vergrößern

Zwischendurch mussten noch die Türschwellen geschliffen werden, da man später bei eingebautem Boden nicht mehr vernünftig an die Seiten ran kommt. Hierbei kam mal wieder eine Überraschung zu Tage: Nur die Schlafzimmertür hat eine solide Eichenschwelle. Bei den anderen Türen hat man gespart und Weichholz genommen. Die einzigen, die sich offensichtlich darüber gefreut haben, war eine Großfamilie von Holzwürmern. Diese waren zwar mittlerweile wieder ausgezogen, haben ihr Heim jedoch ordentlich perforiert, so dass ich die Schwellen teilweise mit Epoxidharz ausgießen musste. Ein Austausch kam nicht in Frage, da die vier Rahmenteile ineinander verzapft sind und der Rahmen gleichzeitig als Sturz dient.

Foto vergrößernFoto vergrößern

Das Verlegen des Rieselschutzes war dank der Heizrohre auch nicht so schnell erledigt, wie in den anderen Decken. Ich habe mich an manchen Stellen wie in einem Origami-Kurs gefühlt. Auf den Rieselschutz wurden anschließend die Versteifungen der Decke geschraubt. Die 18 Millimeter starken OSB-Platten tragen zwar locker mehrere Personen, hängen aber ohne Versteifung über die Zeit leicht durch, wie wir im Dachboden erfahren mussten.

Foto vergrößernFoto vergrößern

Die Dielen hatten wir zwischenzeitlich schon vorbereitet. Der alte Lack und Dreck wurde gnadenlos mit einem Winkelschleifer mit Schleifteller und 40er Korn abgeschliffen. Anders ließ sich die Kraterlandschaft nicht in den Griff kriegen. Etliche Dielen hatten Risse und mussten geleimt werden. Ebenso waren unzählige Federn und Nuten gebrochen und mussten umständlich einzeln wieder angeleimt werden.

Foto vergrößernFoto vergrößern

Fast einen halben Tag hat es gebraucht, die letzte lange Diele im Flur anzupassen. Ursprünglich war hinter der Diele noch ein wenige Zentimeter breiter Holzstreifen ohne Nut und Feder auf die Balken genagelt, doch genau im Stoßbereich zwischen Diele und Holzstreifen können keine Nägel geschlagen werden, da darunter Heizrohre verlaufen.

Daher blieb nichts anderes übrig, als die lange Diele auf der CNC-Fräse sauber abzuschneiden und ein passendes Brett anzuleimen, um die Diele so zu verbreitern. Zur Verstärkung habe ich beidseitig Nuten eingefräst und einen schmalen Holzstreifen als Feder eingeleimt. Als angenehmer Nebeneffekt bildet die Diele nun wenigstens auch eine ordentlich obere Treppenstufe. Ursprünglich ging es von der Diele ohne Überstand einfach senkrecht in die oberste Setzstufe.

Foto vergrößernFoto vergrößern

Ich gebe zu: Neue Dielen hätten uns mindestens eine Woche Arbeit erspart. Aber wer will schon neue Dielen haben, wenn er so schöne alte Dielen erhalten kann? Übermorgen geht es dem Boden mit dem Tellerschleifer an den Kragen und anschließend kann die Dachbodentreppe wieder eingehoben werden.

Kommentar schreiben

Es liegen derzeit noch keine Kommentare zu diesem Artikel vor.


Neuen Kommentar schreiben

oder zum Antworten oben auf das Symbol hinter einem Kommentar klicken


Diese Seite verwendet folgende Cookies:
1) Cookie mit 30 Tagen Gültigkeit, damit Sie als Leser eines Artikels nicht mehrfach gezählt werden
2) Cookie mit Gültigkeit für die Sitzungsdauer, damit Sie diesen Hinweis nur ein Mal weg klicken müssen
Erfahren Sie mehr über unseren Datenschutz