Pure Magie!

Tilman, 29. Mai 2026, 08:06 Uhr
Themen: Baustoffe | Böden | Wohnhaus
Ich habe magische Kräfte an mir entdeckt: Ich kann ein Bauernhaus in ein Palazzo verwandeln. Glaubt Ihr nicht? Na dann schaut mal.

Fast 10 Jahre ist es her, dass ich mich im Netz auf die Suche nach einem Hersteller von Zementfliesen gemacht hatte, um die kaputten Fliesen im Flur auszutauschen. Fündig bin ich damals geworden, doch hatte der Hersteller neben Zementfliesen auch Terrazzofliesen im Angebot und damit war es um uns geschehen: Wir waren schockverliebt!

Wir haben in all den Jahren zwar immer die Augen nach Alternativen aufgehalten, doch nie etwas vergleichbar Schönes gefunden. Nun wurde es endlich Zeit, die Terrazzofliesen zu bestellen: 1,3 Tonnen Material für lächerliche 20,4 Quadratmeter. Kein Wunder: Die Fliesen sind fast 2 Zentimeter dick. Da die Terrazzo-Schicht alleine sehr brüchig wäre, wird sie auf einem etwa 1 Zentimeter starken Betonträger aufgetragen.

Bevor es ans Fliesenlegen geht, musste ich jedoch erstmal den Estrich schleifen. Verdammt! Der ist nach 5 Monaten ja härter, als der Beton darunter. Dass in der Küche ein paar leichte Unebenheiten im Estrich sind, hatte mir zu dem Zeitpunkt noch keine Sorgen gemacht: Es ist ein altes Bauernhaus, in dem alles schief, krumm und wellig ist. Wer würde da schon einen absolut planen Küchenboden erwarten?

Wie falsch ich mit dieser Einstellung lag, habe ich schon in der zweiten Fliesenreihe feststellen müssen: Nachdem ich ein ordentliches Z durch Flur und Küche angezeichnet hatte, habe ich munter drauflos gelegt und schnell gemerkt, dass die Fliesen aufgrund ihrer scharfen Kanten keinerlei Überzahn erlauben. Wer hier glaubt, nur nach DIN-Norm arbeiten zu können, irrt gewaltig. Schon ein Überzahn von 0,2 Millimetern ist deutlich spürbar. Das hat zur Folge, dass zu tiefe Bereiche im Estrich gnadenlos mit Fliesenkleber aufgefüllt werden müssen.

Foto vergrößernFoto vergrößernFoto vergrößern

Auch sonst lässt sich das Verlegen von Terrazzofliesen nicht mit dem Verlegen normaler Fliesen vergleichen: Auf die mit 20 x 20 Zentimeter vergleichsweise kleinen aber schweren Fliesen wird der Kleber im Buttering-Verfahren mit einer 10-Millimeter-Zahnkelle aufgetragen. Dabei muss zwingend sauber gearbeitet werden, denn aus den nur 1,5 Millimeter breiten aber 2 Zentimeter tiefen Fugen lässt sich der Kleber später nicht mehr entfernen.

Das erste kleine Drama kam an Tag 4: Da die Fliesen ein durchgängiges Muster durch Flur und Küche bilden und die Dehnfuge zwischen beiden Räumen exakt in der Mitte einer Fliesenreihe liegt, musste ich nahe der Dehnfuge anfangen. In der Küche hatte ich mich dann ordentlich mit Fugenkreuzen entlang der Querachse durch Flur und Küche vorgearbeitet, was sich als fataler Fehler erwies: Offensichtlich sind die Bordürenfliesen sowie die unifarben Randfliesen minimal kleiner, als die Ornamentfliesen in der Mitte.

Das hatte zur Folge, dass die Fugen zum Rand hin immer größer wurden, bis sie nach wenigen Reihen absolut indiskutable 4 Millimeter erreicht haben. Mir blieb am Ende nichts anderes übrig, als 18 zwischenzeitlich richtig fest verklebte Fliesen wieder runter zu schneiden. Um weder Estrich, noch Fliesen zu beschädigen, habe ich dafür eine Säbelsäge mit einem langen Sägeblatt für Hohlblocksteine verwendet.

Nachdem ich dann gelernt hatte, die Bordüren und Randfliesen einfach nur nach dem Raster der Ornamentfliesen auszurichten, ließ das nächste Drama nicht lange auf sich warten: Nach der neunten Reihe wurde meine Kleberschicht verdächtig dünn, weil der Estrich an der Stelle zu hoch war. Mir blieb nichts anderes übrig, als mit einer Sanierungsfräse den Estrich auf knapp 2 Quadratmetern um bis zu 4 Millimeter abzutragen und neu zu grundieren. Zumindest hatte sich bei mir mittlerweile eine gewisse Routine eingeschlichen, so dass es danach flüssig weiter ging.

Foto vergrößernFoto vergrößernFoto vergrößern

Dank der Routine und eines planen Estrichs im Flur blieben weitere Dramen aus. Zwischenzeitlich habe ich immer mal wieder Randfliesen geschnitten, da ich mir nicht sicher war, wie lange die Diamant-Trennscheibe hält und ich vermeiden wollte, dass ich am Ende nicht weiterkomme, weil ich erst auf neue Trennscheiben warten muss. Die Trennscheibe hat jedoch mühelos alle 142 Randfliesen geschafft und auch die Fliesen an der Dehnfuge zwischen Flur und Küche makellos halbiert.

Foto vergrößernFoto vergrößernFoto vergrößern

Nach einigen Tagen konnte dann verfugt werden. Was in dem Video-Tutorial so einfach aussah, war dann doch gar nicht so leicht: Im Video wurde das Verfugen anhand von Zementfliesen gezeigt und ich nehme an, dass deren Oberfläche nicht so viel Wasser aufnimmt. Die Terrazzofliesen haben der Fugenmasse zumindest trotz ordentlichen Vornässens dermaßen schnell das Wasser entzogen, dass immer wieder etwas Wasser aus dem Schwamm hinzugegeben werden musste, damit die Fugenmasse nicht zu steif wurde.

Auch ließen sich die Zementfliesen in dem Video offensichtlich leicht sauber wischen, was bei den Terrazzofliesen nicht der Fall war: Die Oberfläche der Terrazzoschicht hat viele kleine Vertiefungen, die zwar keinen Makel darstellen, sich aber alle fröhlich mit Fugenmasse gefüllt haben, die sie auch partout nicht wieder hergeben wollen.

Am Ende habe ich mich einfach damit abgefunden: Über die Nutzungszeit würden sich diese kleinen Vertiefungen ohnehin mit Schmutz füllen. Der Boden kriegt dadurch einfach von vornherein einen Look, als würde er schon 100 Jahre da liegen.

In einer Woche können wir die Versiegelung auftragen und in einer weiteren Woche wird der Boden noch mit Diamant-Pads und einer Maschine aufpoliert, um seinen finalen Glanz zu kriegen.

Foto vergrößernFoto vergrößernFoto vergrößern

Foto vergrößernFoto vergrößernFoto vergrößern

Foto vergrößernFoto vergrößernFoto vergrößern

Foto vergrößern

Kommentar schreiben

Neuen Kommentar schreiben

Es liegen derzeit noch keine Kommentare zu diesem Artikel vor

Diese Seite verwendet folgende Cookies:
1) Cookie mit 30 Tagen Gültigkeit, damit Sie als Leser eines Artikels nicht mehrfach gezählt werden
2) Cookie mit Gültigkeit für die Sitzungsdauer, damit Sie diesen Hinweis nur ein Mal weg klicken müssen
Erfahren Sie mehr über unseren Datenschutz